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Hermann Knodt: Die Sagen des Kreises Lauterbach
Wärwolf, Zauberer, Irrlichter, Seelen 37 Der Zweiflungsgraben bei Blankenau
Nah bei der alten Kirche zu Stockhausen, und zwar auf ihrer nördlichen Seite, hat nach Einigen eine Burg, nach Anderen ein Mönchskloster gestanden, welches mit dem Nonnenkloster zu Blankenau durch einen unterirdischen Gang in Verbindung stand. Da ist denn die geistliche Freundschaft nicht selten zu weit gegangen, und bei der verbotenen Zusammenkunft eines Stockhäuser Mönchs mit einer Blankenauer Nonne, auf der Grenze zwischen den beiden Orten, einmal der Teufel dem Mönch zuvorgekommen und hat seine Buhlerei mit der Betörten getrieben. Erst nach dem Betrug gingen ihr die Augen auf, sie erkannte den unsauberen Gast an seinem Pferdefuß, und gab vor jähem Schrecken ihren Geist auf.. Als sie der zu spät gekommene Buhle tot erblickte, erstach auch er sich aus schmerzlichem Leidwesen an denselben Platze. Dieser heißt noch bis zur Stunde “der Zweiflungsgraben”, und es steht daselbst ein steinernes Kreuz, worauf ein langes Messer abgebildet ist.

Bild: Die Teufelsmühle in Ilbeshausen
Wärwolf, Zauberer, Irrlichter, Seelen 38 Die Teufelsmühle zu Ilbeshausen
Unter allen Gebäuden zu Ilbeshausen, ja man kann sagen im ganzen hohen Vogelsberg, zeichnet sich durch ihre Bauart die Hansenmühle aus. Sie ist zwar nur aus Holz errichtet, aber so bedeutend in der Länge, so fein und kostbar mit allerlei Zierrat an Fenster, Gebälk und Türen, wie kein ander Haus rings herum. Das hat aber auch seine besondere Bewandtnis. Ein einziger Mann hatte sich sieben Jahre im Oberwalde das Holz gehauen und bearbeitet und den ganzen Plan mutterseelallein gemacht, dass, als es an’s bauen ging, ihn der Hochmut übernahm und er mit dem Teufel wettete, dass er gerade so schön und so schnell bauen könne, wie er selbst. Infolgedessen machten sich denn die zwei an ihr Werk, der Teufel baute den unteren Giebel, der so wunderschön und noch jetzt die Bewunderung aller ist, der Zimmermann den oberen, der jenem nicht im mindesten entspricht. Zudem ward der Teufel auch eher fertig und hing zum Hohne seinen Hut auf die oberste Spitze des Gebäudes nach dem Walde hin auf, dann führte er den Zimmermann in‘s Krainfelder Feld, da zerriss er ihn in den Lüften. Seitdem heißt die Mühle Teufelsmühle im Leutemund, obschon es der Müller nicht gern hat, wenn man sie so nennt. Es befindet sich in ihr ein Wandgefach, das ist von außen anzusehen wie ein Fenster, dadurch schlupft der Teufel aus und ein auf der Mühle. Wenn man dasselbe den einen Tag zugemauert hatte, fand man’s allemal am anderen Morgen wieder geöffnet.
Wärwolf, Zauberer, Irrlichter, Seelen 39 Der Teufelstein
Geht man von Ilbeshausen auf dem Pfad nach Breungeshain durch den Oberwald, so liegt nicht weit davon ab ein großer Stein, der wird der Teufelstein geheißen. Da haben einmal eine ganze Nacht durch schlechte Leute mit dem leidigen bösen Feinde Karte gespielt. Noch sieht man heutiges Tags eine Dalle im Stein. Dahinein hatte der Teufel seine Spielheller gelegt.
Wärwolf, Zauberer, Irrlichter, Seelen 40 Unter der Naxburg
Unter der Naxburg, einem waldigen Hügel, worauf ehedem ein Ritterschloss gestanden hat, kreuzen sich vier Wege der nächstgelegenen Orte Freiensteinau, Ober- und Niedermoos und Gunzenau. Der Platz ist sehr verrufen und Gespenster gehen daselbst um. Ein Pfarrer, der am Morgen des Himmelfahrtstages daherritt, um in Niedermoos das heilige Nachtmahl zu reichen, sah zwei schwarze Männer nebeneinander in ganz altmodischer unbekannter Tracht vor sich auf und abwandeln, welche, als er auf sie zuritt, eilig quer über den Weg huschten und in Duft zerflossen. – Wieder einem Anderen begegnete es, dass, als er im Herbste bei der Dämmerzeit auf denselben Pfad kam, sah er sich plötzlich mitten in einem Haufen reißiger Knechte zu Fuß und zu Ross befand, welche neben ihm laut riefen und sangen, während ihre Helme glänzten und ihre Schwerter und Partisanen an den Hüften klirrten. Er rief sie im Namen Gottes an, da verschwanden sie im Berge. – Er Dritter ging zur Nachtzeit den Weg. Da hüpfte immer vor, hinter und neben ihm ein Lichtchen her, dass ihm das Ding bedenklich vorkam. Er fragte deshalb: “Wer bist Du?” Da antwortete es aus dem Lichtchen mit Menschenstimme: “Ein Kind des Lichts.” – “Bist Du eine Kind des Lichtes,” antwortete der ehrwürdige Herr, “warum wandelst Du in der Finsternis?” Auf die Frage tat’s einen lauten, schmerzlichen Seufzer, und das Licht war im Augenblick erloschen.
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